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Donnerstag, Mai 23, 2013

Deutsche im Gefängnis in Taiwan, 2013 Update 2

Die deutschen Gefangenen in Taiwan, wohl alles Heroin-Drogenkuriere, bislang vier an der Zahl, waren ja auch schon öfter Thema hier im Blog, etwa in diesem Artikel (http://osttellerrand.blogspot.tw/2010/09/deutsche-in-uberfullten-zellen-im.html), in dem man auch in eine taiwanische Zelle blicken kann und der auch meinen in der Vergangenheit liegenden Besuch bei einem deutschen Gefangenen verlinkt hat. Wie unlängst berichtet (http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/01/deutsch-franzose-mit-heroin-in-taiwan.html), wurde evtl. ein weiterer Deutscher verhaftet, der Drogen nach Taiwan gebracht hat, hier waren sich die Pressequellen uneinig, ob er ein Deutsch-Franzose oder ein Italiener ist. Ich kann dazu auch weiter nichts beitragen, denn ich habe seit unserem Umzug nach Taipei (das Gefängnis, in dem die Ausländer sitzen ist das sog. "Taipei Prison" in Taoyuan, recht weit entfernt) keinen weiteren Kontakt mehr.

 Vorm dem Landen besser noch mal nachdenken. Hier landet der Flieger allerdings auf dem Inlandsflughafen Taipei, nicht auf dem Internationalen in Taoyuan*

Interessant fand ich diesen Artikel einer Anwaltskanzlei (http://www.stcoll.de/Rechtsgebiete/Strafrecht/Internationales-Strafrecht/Reisebericht-Taiwan/index.html), der ihren Besuch und die Lage der Strafgefangenen Anno 2013 subsummiert, auch wenn Leser des Taiwanblogs wohl nichts neues entdecken werden dort. Trotzdem ist so ein komprimierter Artikel von Fachseite immer eine gute Sache, etwa als (auch akademisch verwendbare ;-) Referenz. Im Unterschied zu einem Blog wie diesem hier. Das von mir einst beim Frisör auf dem Dorfe aus einem Magazin abfotografierte Bild einer Zelle in Taiwan, wohl eines der wenigen Fotodokumente, die man so finden kann im Netz aus einer Zelle in Taiwan, hat es bis hin zu der Rechtsanwaltsseite geschafft. Gute Fotos aus den Zellen sind sicher schwer aufzutreiben. Mein unscharfes Motorola K1 hat hier gerade so eben ein ansehbares Bild produziert.

Als "junger Vater" muss ich natürlich feststellen, dass sich meine Meinung über den Drogenschmuggel nach Taiwan verschärft hat: elterliche Instinkte halt. Taiwan ist weitgehend frei von harten Drogen, der Insellage und strenger Kontrollen halber (es droht die Todesstrafe bei Drogenschmuggel, auch wenn diese bislang nicht vollstreckt wird an westlichen Ausländern, mit Lebenslang muss jedoch gerechnet werden!) und ich muss noch deutlicher als früher sagen: Wer hier mit einem Köfferchen voll Heroin landet, der hat natürlich eine kapitale Straftat begangen, die in Taiwan noch deutlich strenger gesehen wird als etwa in Deutschland. In Deutschland ist ein Zusatzkoffer Heroin nur ein bisschen mehr Gift (Drogenfahnder mögen mir die laxe Ausdrucksweise vergeben), in Taiwan könnte man halt direkt dem Drogenkurier ein paar Tote zuordnen, denke ich - weil diese ohne den Import sonst womöglich nichts bekommen hätten.

Um es klar zu stellen, die Deutschen mit Drogenkoffer sind keine Taiwan-Residenten, sondern sind über Thailand/Bangkok gekommen und dort wohl heimisch gewesen, haben also mit der Expatszene in Taiwan nichts zu tun.


* Früher konnte man solche Fotos noch machen, weil analoge Kameras erlaubt waren im Flieger. Zückt man heute eine analoge, kommt trotzdem die Stewardess angelaufen, weil sie an eine digitale denkt.

Update: Siehe auch die Kommentare unten, insbesondere den vom "Gefägnisbesucher"!

Kommentare:

Helmut Roewer hat gesagt…

Tja, was ist denn nun eine akademisch verwendbare Quelle? Ich find den Link vom Rechtsanwalt zweifelsohne interessant, aber eben auch nur bedingt als Quelle verwendbar, da diese nun einmal nicht Dokumentenecht ist.

Dokumentenechtheit besteht eigentlich nur bei Veröffentlichungen auf Basis von Papier - eben weil man im Gegensatz zu einem Blog nachträglich nicht einmal Rechtschreibfehler entfernen kann.

Hab darüber mal vor einigen Jahren gebloggt [1], als ich mir im Rahmen einer wissenschaftlichen Arbeit meinen Arbeitskollegen erklären musste, weshalb die Wikipedia nicht als Quelle verwendbar ist. Trockenes Thema eigentlich....

Grüße
Helmut

[1]: http://www.dunkelangst.org/2011/die-wikipedia-als-wissenschaftliche-quelle/

"Ludigel" hat gesagt…

Ich kenne es von der Uni Liverpool, wo meine Frau MBA studiert hat. Da war peer-reviewed texts das Beste, also in akademischen Zeitschriften, dann kamen Bücher, die keine Sammellehrbücher waren, dann eben diese, dann "richtige" Webseiten glaube ich und Blogs und Wiki waren praktisch verboten.

Toll zitiert, mancher Politiker ist daran schon gescheitert... ;-)

Helmut hat gesagt…

Ach da fällt mir gleich noch etwas auf; Zitat: "Früher konnte man solche Fotos noch machen, weil analoge Kameras erlaubt waren im Flieger. Zückt man heute eine analoge, kommt trotzdem die Stewardess angelaufen, weil sie an eine digitale denkt."

Ich hatte an Bord von Cathay Pacific, Air Berlin und Air China noch nie ein Problem mit meiner digitalen Kamera. Siehe die vielen Bilder in meinem englischen Foto-Blog [1]. Was genau ist Dir passiert?

"Ludigel" hat gesagt…

Einmal kam eine Stewardess angerannt und sagte "no digital camera" vor vielen Jahren. Aber heute sind mir öfter Schilder aufgefallen (an den Sitzen oder in einem Flyer dort) wo pauschal eine Kamera abgebildet ist in einem durchgestrichenen (Verbots-)schild. Klar, analoge gibt es ja kaum noch. Beim Deutschlandurlaub jetzt hat meine Frau extrem verbillige Erste-Klasse-Tickets bei Thai Airways organisiert. Hmmm... ich werde glaube ich meine alte Minolta mal wieder laden. Die transportiert den Film so laut (dünnwandiges spätes Modell), dass es eigentlich jeder merken müsste, dass es eine mit Film ist.

"Ludigel" hat gesagt…

Ich meine, Frau und Junior in Erste-Klasse-Umgebung zu knipsen wäre mal was. Auch wenn die Millionäre dann die Augenbrauen hochziehen. Die werden eh stöhnen, wenn sie ein Klindkind sehen (gacker).

"Ludigel" hat gesagt…

OK deutlich vor dem Start ginge es auch digital, denke ich mal.

GefängnisBesucher hat gesagt…

Hallo hier nur ein kleines Update für alle die daran interessiert sind.
Im Hochsicherheitsgefängnis Taipeh welches in Tauyuan liegt, befinden zur Zeit (Nov. 2013) 7 deutsche Gefangene. Zwei von ihnen stehen kurz vor der Entlassung (kann immernoch bis zu einem Jahr dauern)
Das heißt sie haben über die hälfte ihrer Zeit abgesessen und haben nun das Recht, eine Anfrage auf Bewährung zu stellen.
Der Rest der deutschen hofft, dass der geplante Gefangenenaustausch mit Deutschland schnell vorangeht. Hauptprobleme für die Deutschen sind: Schlafplatz (in manchen Bereichen ist der Platz so beengt das man sich im Schlaf nicht drehen kann ohne seine beiden Nachbarn aufzuwecken), Essen (Das ist der Punkt, der den Gefangenen meines Eindrucks nach am meisten Probleme macht), und Krankheiten/Insekten in einigen Bereichen, Fabriken des Gefägnisses gibt es Käfer ähnliche Insekten, die Menschen beißen. Die Bisse sind nicht gefährlich, jedoch jucken sie wohl sehr stark, so dass sich viele Gefangene blutig kratzen, was dann wiederrum oft zu Entzündungen führt..

In der Hoffnung das mein kleines Update einige Interessiert wünsche ich noch einen schönen Tag.
(Alle Infos sind aus erster Hand, ich besuche das Gefängnis wöchentlichtlich)

Anonym hat gesagt…

Hi 'GefängnisBesucher',
Weisst Du villeicht ob ein gewisser Guido Sollner inzwischen auf freiem Fuss ist?
War das eventuell einer von den 7? Ich kennen jemand (ueber Umwege) der gerne mit ihm (oder einem anderen der 1st-hand-Info aus einem TW-Knast) Kontakt aufnehmen wuerde.

Das ist nicht als 'Kommentar' gemacht - lieber waere mir per PM zu kommunizieren - aber ich weiss nicht ob Ihr hier noch 'aktiv' seid.

Danke & Gruss,

t.

"Ludigel" hat gesagt…

Wegen aktueller Anfragen zum Thema deutsche Gefangene: Ich selbst habe keinen Kontakt mehr zu dem von mir damals besuchten Häftling, wir sind ja weggezogen aus der Nähe des Gefängnisses damals. Für den "Gefägnisbesucher" kann ich nicht sprechen, habe auch abgesehen vom Posting oben keinen Kontakt zu ihm gehabt. Wer aktuell einsitzt weiß ich nicht. Ich habe nur aus sehr vertrauenswürdiger Quelle gehört, dass ich etwas tun soll in Sachen Rückführung nach Deutschland, womöglich mit Resthaftabsitzung dort.
Wegen Anfrage: PMs kann man mir als Email schreiben, an kontakt-at-globalforeigner.com mit dem entsprechenden Ersatz für -at-.
Die konkreten Anfragen wurden wegen ihres PM-Charakters und der Namensnennung hier sicher im Einvernehmen mit dem Anfrager nicht veröffentlicht.

"Ludigel" hat gesagt…

Bearbeite gerade die Email, die ich soeben gefunden habe ;-)