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Montag, Juni 19, 2017

Wieder mal letzte Tage in Taipei?

Es ist ja schon ein Running Gag im Blog

Seit 2004 bin ich hier (07.02. genau gesagt) in Taiwan und ein Abschied will mir nicht gelingen. Nachdem unlängst meine Frau nach Manila gezogen war (mit Junior, 5) um dort mit dem Schwesterherz und ihrem immer fröhlichen lokalen Gatten Geschäfte zu machen, hatte ich ja (ab November) meinen Wohnsitz wieder in die niedersächsische Flachlandidylle verlegt. Ein Leben mit dem zweifelsohne netten Schwager als Commandate in allen Lebenslagen wollte mir einfach nicht passen und außerdem war mein Vater in der Zeit im hohen Alter gestorben und ich musste mich um meine 86jährige Mutter kümmern. Dem Commandante am sonnigen und fröhlichen Assturban der Welt folgen oder mich von meiner Mutter im Reihenhaus bekochen lassen - da fiel die Auswahl leicht.

Nun bin ich ja offensichtlich (seit Ende März) doch wieder in Taipei, denn Frau und ich haben gewissermaßen diesen Kompromiss ausgehandelt. Sie verzichtet auf die tropische Trauminsel Luzon im Norden der herrlichen Philippinen und ich auf die niedersächsische Flachwelt und wir treffen uns im versmogten Taipei wieder. Alles paletti soweit. Nur dass meine Mutter eben immer noch allein im Reihenhaus in Deutschland sitzt und recht schlecht zurecht kommt und auch nicht Flugfähig ist.

Nun steht der meiner Mutter versprochene Deutschlandtrip an. Sie denkt eher, ich würde für immer bleiben. Aber in Taipei hat Junior natürlich Angst, seinen Vater zu verlieren. Mir hat mein mysteriöses Taiwansyndrom nur ganze 6 gesunde Tage seit meinem Kommen im März gelassen. Sonst trieben mich jeden Tag - trotz aller Versuche mit Gymnastik und Ernährungsumstellung - diverse Symptome aus Migräne, Nackenschmerzen, Nasennebenhöhlenentzündung, Magenschmerzen, sonstigen weiter südlich gelegenen verdauungsrelevanten Problemen und sogar Schwindel um.

Auch Junior und Frau geht es hier nicht wirklich gut, die beiden haben fast jeden Tag irgendeine Erkältung und auch Frau hat manchmal Mangenprobleme und Schwindel. Irgendetwas verträgt man in Taipei vielleicht dauerhaft nicht so gut. Vgl. vielleicht die zahllosen Lebensmittelskandale oder auch die Smogluft. Es wird mir schwer fallen nach Taipei zurück zu kommen, wenn ich wieder im Reihenhaus in sauberer Luft mit richtiger Nahrung statt dem taiwanischen Flüssigplastikzeug sitze. Nur wegen Junior werde ich es wohl machen, sonst müsste ich eigentlich die rote Gesundheitskarte ziehen und die Republic of Chemie and Smog ohne mich klarkommen lassen.

Es wird wieder spannend. Der Schwager aus Manila empfiehlt natürlich als Alternative seine herrliche Heimatstadt mit Todesschwadronen und gesunder Luft, auch für meine Mutter. Eine Blei- und Stahl-Allergie habe ich aber glaube ich auch noch irgendwo im Portfolio ;-)

Montag, Juni 12, 2017

Ludigel hinterrücks angegriffen in Taipei (Auflösung)

Angriff auf meinen Hinterkopf. Was steckt dahinter?

Gestern Nähe NeiHu, Taipei. Ich hatte gerade auf einem Schulhof ein bisschen Sport getrieben - sehr ungewöhnlich für mich - und meine Frau war prompt beleidigt mit Junior abgedampft (versuchend ein Taxi zu nehmen, aber später feststellend, dass sie kein Geld dabei hatte und vergebens eine Stunde mein versehentlich auf Nicht-Stören gestelltes Handy anrufend), da ging ich noch schnaufend eine ruhige Seitentraße Richtung Parkhaus lang. Ein Hof hatte dort viele schöne Bäume und die Baumkronen spendeten auch auf der bürgersteiglosen Fahrbahn angenehmen Schatten - da passierte es! Irgendetwas traf mich mit Schmackes am Hinterkopf! Hatte mich ein erzürnter Taiwaner (Frau? Jemand anders) von hinten mit irgendetwas über den Kopf gehauen? Fühlte sich etwa so an, als ob jemand einen Stapel gebürgelter Oberhemden vom 2. Stock auf einen wirft. Verblüffend, aber nicht wirklich unangenehm. Ich drehte mich um und sah den Angreifer. Wer war es?

A) Hatte meine Frau mich doch noch gefunden und ihre Handtasche geschleudert?

B) Hatte ein tätowierter LKW-Fahrer sein Anrecht auf seinen Stamm-Parkplatz gegenüber einem unverschämten Fussgänger mit dem Wurf der Aufputschmittel-Flasche (eingewickelt in die Morgenzeitung) verteidigt?

C) Etwas ganz anderes?

Update später, Mutmaßungen bitte in den Kommentaren.

Seit Vorsichtig. It's a Jungle out there.

Und die Auflösung: Als ich mich umdrehte sah ich ... gar nichts. Kein Wurfgeschoss am Boden, kein Mensch in der Nähe. Ich hatte anfangs tatsächlich gedacht, die im Straßenverkehr sehr leicht erregbaren Taiwaner hätten mich als Ziel einer Attacke ausgesucht, immerhin bewegt man sich in Taiwan als Fußgänger gegenüber PKW-Fahrern auf dünnem Eis. Einmal hatte mich eine Frau mit ihrem New Beetle regelrecht weggeschupst, als ich wie auch hier auf bürgersteigloser Straße unterwegs war. Ich musste zur Seite springen, als das am Fressstand anhaltende Auto einfach dort hin fuhr, wo eben noch meine Füße waren. Und einmal wollte mich ein mich ursprünglich zuparkender PKW-Fahrer einfach mit seinem Auto überfahren, als ich ihn wegscheuchte und selbst einparkte - kaum dass ich aus dem Auto ausgestiegen war. "Bist Du jetzt wieder einem Autofahrer im Weg?" fragte ich mich und dachte schon, er habe die Morgenzeitung geworfen oder etwas. Aber keine Zeitung war da und auch kein Auto weit und breit abgesehen von schon parkenden.
Meine Frau war es auch nicht, niemand war da ;-)

Dann dachte ich mich müsste jemand aus den Fenstern der Mietshäuser beworfen haben, aber ich war durch Baumkronen zu gut geschützt. Baumkronen! Da ging mein Blick nach oben. Da saß ein großer  Vogel mit grauem Federkleid mit weißen Sprenkeln, einem langen roten Schnabel und sah mich ziemlich wütend von hoch oben an! Das Tier war etwa katzengroß! Mir war sofort klar, dass Brutzeit sein musste und er wohl sein Nest verteidigte und mich als Bedrohung wahr genommen hatte. Ich war ihm gleich dankbar, dass er weder seine langen roten Krallen noch seinen langen roten Schnabel benutzt hatte, sondern mich nur fast sanft mit seiner weichen Unterseite weggedrückt hatte. Amüsiert zeigte ich ihm das "das war Spitze"-Symbol mit dem Daumen und gratulierte ihm zum gelungenen Überraschungsangriff. Dann ging ich meiner Wege - auch wenn ich mich vorsichtshalber noch mal umdrehte.

Vermutlich war es dieser Vogel (dessen blaues Ferkleid je nach Licht auch durchaus grau wirken kann): https://en.wikipedia.org/wiki/Taiwan_blue_magpie

Da kam mir der Gedanke, dass der vernunftbegabte Mensch in den Gassen Taipeis ein viel unangenehmerer Umgang ist als so ein Federvieh ;-)

Donnerstag, Juni 08, 2017

Neuer Böser-Weißer-Skandal

Dass die taiwanischen Medien sich "Weißbrote" in Taiwan herauspicken, um sie schlecht darzustellen, hat über die Jahre sicher das Bild von Weißen in Taiwan negativ verändert. Aber..

... ein junger Mann hat sich u.a. wohl beim Wegwerfen von Müll in der Öffentlichkeit gefilmt. Etwa bei der Entsorgung eines Getränkebechers auf einem Geländer o.ä., beim Kommentieren der Kleidung attraktiver junger Frauen und hat außerdem offenbar Fischbälle durch die Gegend geschossen in der Öffentlichkeit. Die man sicher auch nicht essen kann. Auch wenn meine Frau auch mal welche verkaufen wollte. Hust. Sicher kein optimales Benehmen und ohne sein Zeug selbst auf ZWITTER ... äh... TWITCH gesehen zu haben bin ich auch kein Fan von solchem Benehmen. Trinken in der Metro etwa ist hier verboten und die Metro ist wegen Ess- und Trinkverbots sehr sauber. Wenn er sich per Video selbst überführt muss er auch mit Strafen rechnen. Ob die offenbar (laut Twitter) verhängten 100 Stunden Sozialarbeit angemessen sind bezweifele ich eher. Aber er kann ja auch froh sein nicht in Singapur zu sein, da gebe es jetzt Senge auf den Allerwertesten. Was sicher noch weniger angemessen wäre.

Aber so richtig solidarisch kann ich nicht sein für das "Mitweißbrot".





Unerhört, junge Damen ablichten und kommentieren. Kopfschüttel.


Also bitte, das war ein fast ernsthafter Solidaritätsversuch für den Mit-Laowai. Was kann man sonst noch verlangen?

Ich kenne auch alles nur vom Hörensagen und übernehme für nichts eine Haftung. Möglicherweise gibt es ihn gar nicht und der Apple Daily oder das Next-Magazin hat ihn sich ausgedacht. Oder die Getränkedose hat ihn gezwungen sie wegzuwerfen. Oder hat nie existiert. Oder er hat sich mal eingeklemmt in einem der wenigen Mülleimer an den Bushaltestellen, die er nicht finden konnte und hat seither ein posttraumatisches Trauma gegen die Dinger. Oder... Ich weiß es wirklich nicht.

Mittwoch, Juni 07, 2017

Salz mir einen, Baby

Ludigels mysteriöses Taiwanleiden verschwand gestern nach Einnahme von Salz


Manchmal sind es einfache Mittel, die schnelle Heilung bringen. Nach einem Besuch in den herrlichen Philippinen klebte mir etwas an der Haut, das garstig juckte und nie richtig weg ging. Monatelang nahm ich Allergietabletten ein, die etwas linderten. Die Lösung war jedoch einfacher Tafelessig, mehrfach täglich drauf und binnen drei Tagen war der Zauber weg.

Oder mein typisches Taiwanleiden. Es ist so ein Syndrom, dem Ärzte ratlos gegenüber stehen und sich teilweise auf Allergie geeinigt haben. Insbesondere wenn ich fettige und ölige Speisen zu mir nehme, bekomme ich merkwürdige Symptome. Die Nasennebenhölen sind oft gereizt bis leicht entzündet, mir laufen Unmengen von Sekret in den Magen, der dann bisweilen mit Magengrippe-Symptomen ragiert. Schwindel, Konzentrationsschwierigkeiten, Kopfschmerzen und Übelkeit bis hin zu weiteren Problemen kommen dazu. Grauslig. Verspannung des Nackens, Rückenschmerzen, alles was man will. Im Jahre 2015 hatte ich das besonders schlimm, so dass ich manchmal kurz vor der Ohnmacht stand. Mir half dann ein Notfallpack aus taiwantypisch schwach gesalzenen Kartoffelchips und Cola, das kurzzeitig Energie wieder herstellte.

Aber bitte mit Salz!

Gestern war es wieder recht schlimm und ich kroch auf dem Zahnfleisch zum Arzt. Die dort verschriebenen Tabletten lindern etwas, helfen aber auch nicht richtig. Unterwegs bekam ich Hunger und einen Japp auf Kartoffelchips. Diesmal nahm ich eine andere Marke, "Lay's basic" oder wie das hieß. Mir viel auf, dass die Packung deutlich mehr Salz enthielt als sonstige taiwanische Kartoffelchips. Ich aß dann die Packung wie im Wahn, als ob es das Köstlichste war was ich je gegessen hatte.

Binnen Sekunden ging es meinem Magen besser und binnen einer Viertelstunde verschwanden alle Symptome weitestgehend. Rückenschmerzen weg, Schwindel weg, Zug im Nacken weg, ein Wunder!

Ich habe mir jetzt gleich einen kleinen Plastiksack mit Salz fürs Büro gekauft und werde das Essen nachsalzen. Denn die Taiwaner essen kaum Salz. Das geht bis hin zu einer richtigen Salzfeindlichkeit. Europäisches Essen wird von Taiwanern regelmäßig als "versalzen" kritisiert. Mir kommen taiwanische Gerichte - sofern sie nicht ultrascharf oder einfach verpfeffert sind - immer wieder lasch vor. Auch "italienische" Nudeln hier schmecken fast nach nichts, egal mit welcher Soße. Weil der Taiwaner weiß, dass Salz vom Teufel selbst kommt.

Ihren Salzbedarf decken die Taiwaner offenbar durch Sojasoße und wohl noch durch Seetang, den sie recht viel futtern. Bei mir stand beides wenig auf dem Speiseplan die letzte Zeit. Ob ich einfach immer Salzmangel in Taiwan habe? In Zukunft salze ich mein Essen nach. Und höre mir dann die Warnungen der weisen Taiwaner an, die das mitbekommen. "Salz? Du nimmst so viel Salz? Da wirst du krank!"

P.S.: In Deutschland angekommen verschwinden die Symptome meist schon am ersten Tag ;-)

Montag, Juni 05, 2017

Shao Ren Guo, Taoyuan County

"Window on China" heißt der Shao-Ren-Guo - Park im Landkreis Taoyuan. "Kleine Menschen Land" auf Deutsch.

Idyllischer Eingang. Einfach mal hinsetzen für eine Stunde und die hektische Welt vergessen. Aber nein, ich bin durchgehastet mit der Kamera, meiner Frau hinterher...


Palästina ganz friedlich. Edit: Das Bauwerk daneben geht im Stil auf frühe mesopotanische Zeit, 2./3. Jahrhundert zurück, stellt aber wohl das Minarett einer Moschee in Samarra, Irak dar.

In Indien hatten Frau und ich nur Stress, etwa wegen den einen am Arm berührenden Leprakranken auf der Fußgängerbrücke. Im Halbdunkel doch nicht das Angenehmste, auch wenn es kaum ansteckend ist. Trotzdem viel stressfreier in Taiwan.


Das ist... na sie wissen schon.

Eine tolle Modelleisenbahn gibt es da auch, über das ganze Gelände...

Nur den Zug...

... habe ich trotz längerem Auf-die-Lauer-legen hier nie erwischt. Weil Frau mit Scheidung drohte zur Essenszeit.

Und wie klein alles ist, sieht man vielleicht erst auf den zweiten Blick.



Einige wiedergefundene Fotos

... irgendwo in Taipei City



June 2010.


Nicht wörtlich nehmen.

My favourite garbage tree.

Weiß noch dass es ein Geschäftsessen war vom Team, wo wir alle an einem langen Tisch saßen und alle unser Essen auf die Teller der Teamgenossen werfen mussten. Reihum und ich habe keine Ahnung was ich gegessen habe oder warum ich mir Würstchen bestelle und dann den verdammten Fisch von den ewig Fisch futternden Leuten auf dem Teller habe und vom Würstchen nur noch einen Endzipfel. Heute stehe ich bei sowas schon mal auf und setze mich in den nächsten Seven Eleven und esse in Ruhe ein Sandwich.

Nachtrag: Nach 7 Jahren ärgert es mich immer noch ;-)

Donnerstag, Mai 25, 2017

Gleichgeschlechtliche Ehe im modernen Taiwan: Pressemeldung

Kurz erwähnt: 

Die Taiwan-Berichterstattung deutscher Medien begeistert den Taiwan-Expat oft eher weniger. Selbst wenn man selber über Straßenverkehr, Smog und hektisch essende Taiwaner bloggt, nimmt man es übel, wenn Taiwan in Deutschland nur mit bizarren Geschichten in der Presse ist. Einmal etwa stand auf Spiegel.de die Story eines pfiffigen Priesters, der einem Gläubigen aus Gründen der magischen Kraftlinien zum Abholzen seines Wäldchens geraten hatte. Der Priester hatte schlichtweg Brennholz benötigt. Was immer zu kurz kommt in der Berichterstattung ist, dass Taiwan natürlich ein modernes demokratisches Land mit entwickelter Zivilgesellschaft ist. Positiv daher der heutige Spiegel.de-Artikel über die Same-Sex-Heirat, die Taiwan bald erlauben will. Auch sonst schneidet Taiwan gut in dem Bericht ab. Durchaus berechtigterweise, allem Exapt-Gemaule über Verkehr und Smog und Chemie im Essen zum Trotz. Gemaule, wovon dieses Blog hier sicher überreichlich hat. Ich gebe es ja zu.

http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/taiwan-oberstes-gericht-spricht-sich-fuer-homo-ehe-aus-a-1149200.html


Ob Sie lieber Damen oder Herren wählen, bleibt natürlich Ihre Sache

Montag, Mai 22, 2017

Irgendwo gibt es einen Spielplatz für Dich (Verkehrstod eines Kindes)

Der Nachbarschaftstratsch meldet den Verkehrstod eines kleinen Kindes, etwa 50 Meter max von meiner Haustür in NeiHu, Taipei, Taiwan.

Wir wohnen seit meiner Rückkehr nach Taipei im März in einer Mietwohnungsanlage, die zu den besseren der oft slumartigen Wohnblöcke bei uns in der Gegend gehört. Ein sehr breiter Bürgersteig ist bei uns vorm Haus, richtig eine Oase an der lokalen Hauptstraße. Und Grün gibt es bei uns im Innenhof.
Gehe ich aber 30 Meter nach links, fängt eine Budenzeile aus zeltartigen Verkaufsstellen an. Die schlimmsten sind schon weg. Seit sich die Verkehrspolizei bei uns seit zwei Jahren oder so für Falschparker interessiert und man immer wieder Polizisten auf Mopeds sieht, verschwand auch die Horrorbude unter den Verkaufsstellen. Das war ein düsteres stinkendes Zelt, in dem braungrün-verklebte Hühner in Käfigen vor sich hin schimmelten und einen entsetzlichen Gestank verbreiteten und ihre blau angelaufenen Leichenteile ungekühlt in der Sonne auf einem Tisch schmorten. Alte Frauen sahen sich interessiert die abgehackten Beine samt Krallen an und nickten dazu einfrig, während sie die Münzen aus ihren Geldbörsen holten. Lange Jahre war der Bürgersteig eklig schmal und so hielt ich meist die Luft an, wenn ich dort vorbei ging.



anderer Fall, selbe Ladenzeile: reglose Frau, Unfallfahrer beim Fotografieren

Heute ist der Bürgersteig verbreitert und der Horrorstand weg. Aber es gibt immer noch die Fischverwesung gleich neben an, wo in der prallen Sonne und Abgasluft direkt auf Auspuffhöhe Fische mit etwas Eis vor sich hin stinken. Dort an dem Fischstand war immer eine ganze Familie versammelt, die den etwa 2 Meter breiten Bürgersteig (gleichzeitig illegal Parkstreifen für Autos, Mopeds und quer gestellte Fahrräder) zu ihrem Spielhof erklärt hat. Wohl drei Kinder im Alter von 2-5 oder dergleichen spielten dort mit Wasserbecken aus Styropor, sowie die Fische raus waren, fuhren Dreirad uns spielten Ball. Direkt an der Fahrbahn, wo an der viel befahrenen Straße Autos mit eher 50 und 60 als den auf die Fahrbahn gemalten 30 durchfahren. Oft ging ich dort lang und dachte: "Wie gefährlich!" Wenn so ein Kleinkind mit dem Dreirad nah an den Fahrbahnrand fährt und die ganze Familie vor sich hin grinst und die Fische wäscht. Oder Radio hört. Handies hatten sie in der Familie wohl mal nicht, an denen man sonst in Taiwan die dreiviertel Lebenszeit seit 2010 verbringt. Aber irgendwie geht es immer gut. Denkt man. Die Kinder drehen brav am Bordstein um, die kleinen Kinderfüße hören auf Richtung Fahrbahn zu watscheln. Entweder von selbst oder die Großmutter kommt doch mal angerannt, um den falschen Richtungsvektor von Tod hin zu Überleben zu verstellen. Sprich das Kleinkind neu auszurichten, dass es auf die Bude zuläuft statt auf die Fahrbahn. Dann wieder Radio. Fische waschen. Vor sich hin lächeln. Ein einziges Mal habe ich vorbei gehend ein Kind blockiert, das Richtung Fahrbahn unterwegs war. Aber ich gehe nur im Sekundentakt da vorbei. Achte mehr wo ich hin trete als auf anderer Leute Kinder. Schließlich legen sie an der vorderen Fressbude ihre glatten Kochbleche aus den Öfen in die Gosse, stellen den Bürgersteig zu und bei Regen habe ich das spiegelglatte Blech einmal nicht gesehen und hätte mir fast den Hinterkopf aufgeschlagen, so sehr bin ich hingesegelt.

Man darf parken. Überall.

Taiwan wie es leibt und lebt. Und den Ausländer Ludigel auskichert, wenn er dort essen kaufen muss. Etwa, in dem man ihm einen falschen Preis nennt - absichtlich - und dann noch einen und noch einen und sich freut, dass alle Gäste mitlachen. Dann bin ich ein Jahr nicht mehr hin. Heute hat die Garküchenentertainerin selber kleine Kinder, die jetzt auch begroßmuttert auf dem kleinen Bürgersteig herum rennen.

An der Ecke ist vor ein paar Jahren eine alte Frau überfahren worden an der Fußgängerampel. Ich fotografierte den Fahrer, der die reglos daliegende Frau fotografierte und er sah mich böse an.

Nun ist eines der Kinder tot, vom Auto überfahren. Ich weiß nicht von welcher Bude. Aber dies Wochenende spielten dort mal keine Kinder. Doch als ich in unsere Straße einbog, brachte ich meinen Wagen komplett zum Stehen. Denn zwei kleine Kinder spielten direkt an der Fahrbahn in der Kurve, gerade noch auf dem abgesenkten Bürgersteig. Während die Eltern auf Einlass ins italienische Restaurant warteten und angestrengt aufs Handy guckten.

Dienstag, Mai 16, 2017

Kein Heulen in Taiwan (WanneCry / WanneCrypt)

Taiwan ist eines der Hauptziele vom WanneCry-Ransomware-Angriff, so liest man. Wie haben da meine Rechner den Angriff überstanden?

Es geht um die Ransomware WanneCry aka WanneCrypt, die also alle möglichen Daten auf Festplatte verschlüsselt und nur gegen Lösegeldzahlung wieder freigibt. Der Schädling dringt auf nicht aktualisierten Windows-Computern über die Datei- und Druckerfreigabe SMB ins System ein, ohne dass der Nutzer irgendetwas machen muss. Beispielsweise von einem anderen im lokalen Netzwerk infizierten Rechner oder wohl sogar einfach aus dem Internet.

Der Fall erinnerte mich an den Angriff vom Schädling Sasser vor vielen Jahren, der damals meine XP-Rechner so lahmlegte, dass ich sie neu installieren musste. Grund war gewesen, dass ich damals eine schlecht konfigurierbare lokale Firewall auf den Rechnern abgeschaltet hatte, um Dateien im Netzwerk kopieren zu können. Wie war es diesmal, bei der Wiederholung?

Bürorechner:  Ein Server, aus diversen Bauteilen hier zusammengesteckt ohne Gehäuse, mit Linux drauf (älteres Fedora 20 x64). Wie immer bei Linux ohne jede Sicherheitssoftware, aber eben mit allen Sicherheitsfeatures, die standardmäßig dabei sind. Wie einem nichtprivilligierten Nutzer ohne Adminrechte, die nur in Sonderfällen mal freigeschaltet werden. Die Linuxrechner ist völlig immun gegen den Angriff, weil WanneCry einfach nicht mit Linux- oder UNIX-Rechnern klar kommt. Ebenso würde das für Apple gelten.

Privat-Hauptrechner: Windows 10, aktuell. War sowieso immun, weil das Schlupfloch hier wohl nie existiert hat.

Altes Notebook Nr. 1: Immer noch Windows XP SP3, allerdings mit dem inoffiziellen "POS-Patch", über das er immer noch Updates von Microsoft bekommt. Weil er also Microsoft vortäuscht ein Embedded-XP - System (Geldautomat oder Kassenrechner) zu sein, die von Microsoft im Gegensatz zu anderen XP-Systemen immer noch mit Updates versorgt werden. War also längst immunisiert und evtl. hätte auch die (allerdings uralte und für Datei- und Printersharing freigeschaltete) Firewall den Angriff abgewehrt. Das Zweit-OS Fedora Linux (s.o.) - auch auf dem Rechner installiert -  wäre sowieso immun gewesen.

Alte Notebooks Nr. 2/3: Hier ist höchste Gefahr. Seit Wochen unbenutzt im Schrank und mit XP SP3 versehen. Würde man sie ans Netz hängen, würde alles an der alten Sunbelt/Keiro-Firewall hängen, ob sie trotz Datei/Printer-Sharing-Freigabe den Angriff abwehrt oder nicht. Ich werde die Rechner also ohne Netz einschalten, die Datei-/Printer-Freigabe abschalten in der aktivierten Firewall und auch das oben erwähnte POS-Patch aufspielen - plus einem manuellen Patch gegen WanneCry, bevor die Kisten ans Netz gehen.

Fazit: Gut gegangen diesmal, aber die wegen langer Ruhezeit nicht aktualisierten alten Notebooks (einer hatte aus Bequemlichkeit nicht mal das POS-Patch) hätte es erwischen können.

Also weiterhin: XP forever! Habe ja eh Sicherheitskopien von allem ;-)


Montag, Mai 15, 2017

Gelungener Abend

Wieder einmal ein Familiendinner. Ludigel amüsiert sich köstlich. Andere nicht so sehr.

Um Beckenbauer zu zitieren: "Ja gut äääääh.....". Es war halt nicht für alle ein guter Abend. Die heilige Familie meiner Frau, in ihrem 5000jährigen Chinesentum sowieso die Krone der Schöpfung, hatte sich mal wieder zum Festessen versammelt und ich musste wie immer mit. Mache ich ja gerne. Nur quälten mich wieder mal meine Nasennebenhölen. Offenbar führt in meinem halb unfreiwilligen 14. Jahr in Taiwan die Abgasluft Taipeis zu einer Dauerreizung verbunden mit Kopfschmerzen, wie ich sie zu letzt in den 70er Jahren hatte, als ich als Kind in Deutschland an einer Hauptstraße wohnte und es katalysatorfrei stark nach Abgasen roch. Ich war nicht unbedingt bester Laune und auch das leicht gegarte Huhn mit toter nackter Stoppelhaut drum herum trug nicht zur Anhebung meiner Stimmung bei. Ich verabschiedete mich auf einen "kleinen Spaziergang" und verbrachte die nächsten 90 Minuten mit dem Einnehmen einer Kopfschmerztablette, einem dicken Chickenburger bei Burger King nebst einer großen Kola und Pommes. Anschließend fand ich in dem schicken  neuen Einkaufszentrum in moderner Schiefarchitektur (Bilder folgen vielleicht noch) einen Seven-Eleven und gönnte mir wie die alten Taiwaner einfach auf der Brüstung sitzend ein Vanilleeis und zwei von diesen "Tizulu"-Schokoriegeln. "Tizulu" steht für Tirol, ist doch wohl klar. Ein anderer Laowai mit seiner einheimischen Frau ging vorbei und seine Tochter (5 oder so) umrundete mich ständig mit dem Dreidrad, einen gierigen Blick auf meine gefälschten Tiroler Riegel werfend. Man muss den Kindern das wirklich beibringen, mit den Süßigkeiten und fremden Männern. Deshalb konnte ich ihr natürlich auch nichts gegeben sondern musste es selber essen.
Nach 90 Minuten kam ich zu dem Schluss, dass gibbriger Seafood und Ekel-Riesenwürmer Schwarz jetzt alle verschlugen worden sind, sicher zu zahlreichen "hao chi"-Rufen und der reiche Schwager sicher den Dank aller Anwesenden zum Spendieren des leckeren Muttertagsessens angenommen hatte. Ich kehrte also pünktlich zum Obstnachtisch in den gemieteten Speisesaal zurück und erklärte laut, die Waschräume seinen so voll gewesen, dass ich bis eben hätte warten müssen. Ein ganz raffinierter Trick, den ich mir da ausgedacht hatte. Nur Junior (5) brauchte alles durcheinander, roch mir am Mund sagte seiner Mutter, ich hätte Schokolade gegessen. "Wieviel hast du ausgegeben?" fragte sie mich und ich fragte laut zurück "mit oder ohne Burger King?".

Da geschah das große Wunder. Die ihr Leben in teuren Boutiquen verbringende "Erste Tochter" der Familie, die mit dem reichen Schwager verheiratet ist, würdigte mich das erste Mal in den 14 Jahren meiner Anwesenheit in Taiwan eines Blickes! Hatte sie es doch bisher immer fertig gebracht, durch mich hindurch die Wand hinter mir zu fixieren - jedes Mal. Ein Schicksal, das angeblich der andere "Ausländermann" (der Filippino) in der Familie auch mit mir teilt. Erster Blickkontakt nach 14 Jahren! Das ist schon eine Leistung finde ich. Gut, es war die Art von Blick wo man oben anfängt und dann nach unten guckt. "Verachtung" soll das wohl sein. Aber lieber politisch korrekte Leser, sagen Sie es mir. Ist das nicht wenigstens ein Anfang einer intrakulturellen Kontaktaufnahme, aus der noch Großes werden kann?

Beim Rausgehen verabschiedete mich ihr Gatte etwas hilflos mit "Wir sehen uns dann zum .... äh ... zum ... äh...." und ich vervollständigte freundlich lächelnd "das nächste Mal McDonalds, nicht wieder Burgerking" und ging fröhlich meines Weges.

Also, mir hat der Abend Spaß gemacht. Wenn sich jetzt im Laufe der Woche auch der Haussegen wieder einrenkt, ist alles wunderbar.

Keine Sorge, dass mit McDonalds habe ich natürlich nicht ernst gemeint. Das Essen dort hat ja mit menschlicher Nahrung nicht wirklich viel zu tun. Kentucky Fried Chicken vielleicht. Oder Subway. Es sei denn ich werde aus der weiteren Anwesenheitspflicht beim sich selbst feiern dieser von sich selbst so überzeugten Menschen entbunden. Was eigentlich die Absicht des ganzen Manövers war.


Mittwoch, Mai 10, 2017

Die TV-Hackerbox

Ein Freund benutzt sie. Der Schlumpi. "Betrügt" er doch vielleicht mehrere Fernsehkonzerne um ihre Tantiemen.

"Ubox" von Unblock Technologies

Ein Freund hat dann also diese kleine weiße Kunstoffbox mit HDMI- und USB-Anschluss. Drauf läuft Android (das Linuxderivat). Ein HDMI-Kabel verbindet die Box mit unserem Fernseher für einen kleinen Probelauf. Die Fernbedienung der Box kann schnell auch den Fernseher steuern und sonst kann man sich mühsam entweder mit diversen kleinen Tasten oder mit einer veritabel angeschlossenen USB-Maus durch die diversen Android-Interfaces tasten. Die Hackerbox, wie ich sie nenne, geht über Ethernet oder Wireless ins Internet und findet dort alle möglichen TV-Kanäle von fast überall auf der Welt, darunter auch offensichtliche Pay-TV-Kanäle. Alles ohne zu bezahlen. Herkunftsort der kleinen Box ist China.

Läuft das Ding schon?

Schnell ist mein altes 3G-Smartphone auf Connection-Sharing geschaltet, es funktioniert also als Wireless Access Point wie ein Heim-DSL-Wireless-Router. Die Qualität ist mäßig, die Hackerbox scheint die Bildqualität stark zu reduzieren und wir haben häufige unfreiwillige Standbilder.

Ein neueres 4G-Telefon liefert jedoch bessere Qualität und mit schnellen DSL-Zugängen Marke Taipei geht es sowieso. Wir haben natürlich nur einen kurzen Test gemacht, um uns nicht strafbar zu machen mit dem Leihobjekt.

Es gibt fast alle großen TV-Kanäle von fast überall, nicht jedoch Deutschland. BBC und ITV aus GB und US-Filmkanäle in zumindest Überseeversionen, auch Disneychannel und Cartoon-Network, alles Englischsprachig, teils aus den Philippinen, aber da spricht man ja außer in den Werbespots auch Englisch. "Buy healthy orange juice for your kids na panga sasa dada" oder so hört man in den Werbepausen. Gegen die geheime PIN 1818 gibt es jede Menge Hardcore-Kanäle. Unverpixelt machen sich Japaner über Japanerinnen und kräftige Russen über zierliche Russinnen her. Alles Mainstream-Porn.

Manchmal spinnt die Box oder eher die App, die sich updaten will aber manchmal nicht kann. Bei Hitze und Dauerbetrieb bleibt die Kiste auch schon mal schwarz und geht dann manchmal einfach wieder und redet davon, das HDMI-Kabel sei angeblich wieder eingesteckt worden. Praktisch: Das Android-OS ist um zahlreiche Videoplayer erweitert und ein eingesteckter USB-Stift lässt (über Dateimanager, den man etwas umständlich über die Fernbedienung aufruft) die Wiedergabe von so ziemlich allen Videoformaten inklusive .mkv - Dateien zu. Es gibt auch eine deutsche Exportversion der vermutlich irgendwie illegalen Hackerbox.

Gesamturteil: Weltfernsehen in der taiwanischen Version ohne deutsche Kanäle, nervt aber öfter mal durch Hardware- und Softwareprobleme. Nichtsdestotrotz praktisch für die Videodateiwiedergabe auf dem Fernseher und den neugierigen Peek in das aktuelle englische oder norwegische Fernsehprogramm.

Vergessen: Auch Youtube ist als App vorinstalliert. Die chinesischen Shopping-Apps und irgendwelche weiteren Pay-Angebote ("pay and get screwed from Shenzen") ignoriert man wohl besser. Aber Youtube funktioniert gut.

Wenn wir die pöse, pöse Hackerbox benutzen würden, würde sie uns tagsüber die normalen Taiwan-TV-Sender für Frau oder Cartoon-Network und Disney-Channel für Junior liefern, zuzüglich Youtube, wo Junior bislang auf "seinem" IPad immer nach Transformer-Videos sucht. Und gelegentlich würde das Ding einen Film vom USB-Stick spielen. Mit Russen/Russinnen und Japanerinnen/Japanern und den Dingen, die die miteinander für Geld tun hätten wir dabei nichts am Hut ;-)  Und da Junior und Frau ohnehin das TV fest in ihren Händen haben, hätte norwegisches Fernsehen und selbst ITV aus England eher wenig Chancen.

Donnerstag, Mai 04, 2017

Autofahren...

Der Artikel "Autofahren in Taipei", der auch das Umland mit einschließt ist vielleicht nicht ganz perfekt bebildert. Unten ein Bild allerdings aus Changhua, das die öfter vorkommenden nervigen Situationen in Taiwan ganz treffend beschreibt.

In engen Gassen oft Millimeterarbeit im Dauerstau leisten und dabei auf mit hoher Geschwindigkeit regelfrei heranpreschende Motorroller achten ist eben oft der Alltag in Taiwan. In Changhua, das mir noch viel voller und enger als Taipei vorkam, ist das wohl Dauerzustand. Hier bin ich allerdings nur Passagier gewesen.

Mit unserem neuen kleinen Nissan March aka Micra fahre ich in Taipei allerdings die Tage recht unbeschwert durch die Gegend. Das etwas über 1,60m breite Autochen passt halt viel besser durch enge Gassen als unser alter Volvo XC60, der es immerhin auf etwa 1,90m brachte. Sparsam ist der Nissan-Kleinwagen mit etwa 10 Litern Verbrauch auf 100km Stadtverkehr allerdings nicht gerade. Mit seinem 1,5-Liter 99 PS-Motor ist er aber auch kein Sparauto. Das Automatikgetriebe ist Drehzahlhungrig und schaltet beim kleinsten Pedaldruck sofort runter und der Motor ermuntert mit aggressivem Jaulen zum Beschleunigen, was er auch recht eindrucksvoll tut, wenn man dem nachgibt. Immerhin ist der Nissan deutlich sparsamer als der Volvo, der bei gleichem Verkehr 15 Liter geschluckt hat. Auch die Käufer des Volvo (Schwester Nr. 4 von Frau) klagen jetzt über hohen Verbrauch. So ein 245 PS-SUV ist eben doch kein Sparmobil.

Wieviel Spaß das Autofahren in Taipei macht muss jeder selber wissen. Am meisten vielleicht beim Kauf eines Lederüberzugs für das etwas harte Lenkrad. Junior wollte mich noch am Foto hindern und erwähnte die gerade den Volantüberzug aussuchende Mutter. Ich muss ihm noch mal erklären, dass das Recht der Blogleser auf wirklichkeitsgetreue Abbildung von Taiwan natürlich vorgeht.

Hier sollten hilfsbereite Bignoses sofort als mobiles Rollkommando zur Tat und Hilfe schreiten!


Ich vermisse im 14. Jahr Taiwan den Mitsubishi SUV meines Vaters, der jetzt einsam in einer niedersächsischen Kleinstadt in der Garage steht und auf den dortigen Straßen weniger als 9 Liter verbraucht hat. Auf den fast ausgestorbenen Straßen Niedersachsens.
Wie lange ich das hier alles noch angucken muss oder will? Wir werden sehen.

Dienstag, Mai 02, 2017

Mein Stuhl, mein Schreibtisch, mein Zimmer (wo ich nie war)

Sachen geholt aus dem gemieteten Haus in Manila. Ein trauriges Treffen auf eine alternative Welt


Ende letzten Jahres zog es meine Frau massiv in die Philippinen. Dort lebt ja ihre Schwester, die mit einem chinesischstämmigen Philippino verheiratet ist. Schnell war von ihr eine weitestgehend soziale und finanzielle Fusion vollzogen. Was sich in gemeinsam gekauften Immobilien, einem gemeinsam eröffneten Restaurant und gemeinsamen Verkaufskiosken äußerte, die an das Geschäft der lokalen Familie angeschlossen waren. Meine Frau stand all diesen Projekten sehr optimistisch gegenüber, ich hingegen eher pessimistisch. Nun waren wir wieder in Manila, um das dort noch bis Jahresende gemietete Reihenhaus auszuräumen. Es war ein bisschen traurig. Ich sah das für mich eingerichtete Zimmer in dem Häuschen. Voll mit meinem Zeug, als hätte ich dort wirklich gelebt. Was ich nie getan habe. Ich fand meinen Single Malt Scotch im Schrank, meine Schokolade und Salami im Kühlschrank etc. Ich sah das erste Mal in Person das Sofa, das ich so oft im Videochat gesehen hatte. Auf dem mein Sohn mich immer gefragt hatte, wann ich endlich auf die Philippinen kommen würde.



Es ging nicht. Ich war noch mit der Nachlassregelung für meinen gerade zum Umzugszeitpunkt auf die Philippinen verstorbenen Vater beschäftigt. Ich wollte auch nicht. Auf den Philippinen ziehen derzeit Todesschwadronen durch die Gegend, die angeleitet vom Präsidenten Jagd auf vermeidlich Drogensüchtige machen. Auch Ausländer sind dem schon zum Opfer gefallen. Einmal geplant (eine Britin mit philippinischem Pass und Verstrickung in Bordelle und Drogen) und einmal ungeplant (ein mit vorgespielten falschen Anschuldigungen von der Polizei entführter und ermordeter Koreaner). Man kann schwer zwischen geplanter illegaler Tötung und ungeplanter unterscheiden, wenn einmal Todesschwadronen auf höchsten Befehl per pauschaler Amnestie durch das Land ziehen.



Außerdem führte die starke soziale Verstrickung mit der lokalen Verwandtschaft dazu, dass ich selbst von jedweder Planung des eröffneten Restaurants ausgeschlossen war. Schließlich kennen die dortigen Leute die Verhältnisse viel besser. Am Ende war dann die Planung so südlich-locker und sinnfrei, dass es kein Wunder war, dass ich die Reste des gescheiterten Restaurants in Form von Schildern und Kochstelle dort besichtigen konnte.



Mich hat die Verwandtschaft dort nett umsorgt, mit Kuren für meine typischen Touristenleiden. Ich denke, dass ich mir wegen der gemeinsam gekauften Immobilien zu viel Sorgen mache. Trotzdem fühle ich mich mit meiner Skepsis bestätigt. Manila ist kein Ort an dem ich lange sein will.

Wer findet die ROC-Flagge?

Mich verschreckt auch dieses Land. Ein mordender Präsident (Präsident Duterte brüstet sich selbst mit eigenhändig begangenen Morden), der mit Todesschwadronen regiert (denen auch Kinder zum Opfer fallen!) hat dort Zustimmungsraten, die in den Himmel schießen. Ein Menschenleben zählt dort nichts, hört man immer wieder. Ich sah selbst einen etwa sechsjährigen Jungen mitten im Zentrum Schusterleim aus einer Plastiktüte schnüffeln, während ich mit meinem eigenen Fünfjährigen auf dem Arm direkt an ihm vorbei ging. Mein Sohn quengelte weil er schlafen wollte, der Sechsjährige sah uns mit apathischen und traurigen Augen hinterher. "Enttäuschung" ist wohl das Wort, das den Blick am besten beschreibt.



"Für Gott, die Menschen, die Natur und das Land" ist das Nationalmotto der Philippinen. Wir betreiben da jetzt einen tatsächlich irgendwie laufenden Verkaufskiosk, der drei Arbeitsplätze geschaffen hat. Das können vielleicht noch mehr werden. Aber mein Land sind die Philippinen nicht.

Schade um den zurückgelassenen Single Malt.


Dienstag, April 25, 2017

Stolzer Besitzer des 2. Ex-Restaurants

Hurra! Nach "Jill's Happy Kitchen" (ein Schlicht-Italiener in Taipei) habe ich jetzt mit "Mix & Match" auch ein Ex-Restaurant in Manila auf den Philippinen. Auch eine Art Schlicht-Italiener.

Mit Gastronomie wollte ich ja nie viel zu tun haben. Weil Taiwaner aber geschäftstüchtig sind oder sein wollen, war die Eröffnung eines kleinen Geschäfts - nach dem Default eben ein Restaurant - wohl kaum zu vermeiden. Meine Frau wollte es unbedingt vor ein paar Jahren und ich war dann beim Management mit behilflich. Das Ergebnis war ein kontrolliertes Scheitern mit schwarzer Null, genau auf die von mir vorhergesagte Art und Weise im genau von mir vorher gesagten Zeitrahmen. Und das, obwohl ich als tumber Ausländer im Land der intelligenten und geschäftstüchtigen Taiwaner doch gar nichts vom Geldverdienen verstehe. Die ganze Geschichte ist hier zu lesen: http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/11/der-familienbetrieb-die-schonungslose.html. Ich fand es damals lustig, es war bizarr-komisch und debil-widersinnig, wie Taiwan eben oft auf unsereinen wirkt. Und es war ja eine schwarze Null.

Braucht Rotwein zu den Nudeln unbedingt Hupfdohlen?

Das zweite Lokal - diesmal in Manila auf den Philippinen - wurde leider ohne meine Mitwirkung eröffnet. Diesmal waren es meine Frau und ihre Schwester Nummer 2, die ganz allein das Management in den zarten Händen hatten. Das Ergebnis war, kurz gesagt, ein Lokal mit dem Aussehen eines Waschsalons oder eines Versicherungsbüros, mit dem Namen einer Modeboutique ("Mix and Match", in Manila für Modeläden gebräuchlich) und der Karte eines Schlichtitalieners aus Taipei/Taiwan. Ein komplettes und gründliches Scheitern war die Folge, wie von der Familienkassandra (c'est moi) vorhergesagt.

Nicht ohne Belustigungseffekt das Ganze, nur etwas teuer diesmal. Interessant war, dass meine Frau und ihr Schwesterherz noch den Tipp von Konkurrenten in der Nähe erhielten, sie müssten zu den Nudeln auch Alkohol (Wein!) anbieten. Dieses Ansinnen stieß sowohl bei dem einheimischen - aber aus der chinesischen Subkultur entstammenden - Schwager als auch bei den beiden Taiwanerinnen (Schwester meiner Frau und meine Frau) auf große Befangenheit. Wein anzubieten zu den Nudeln wurde von allen Beteiligten mit Komasaufen, zerschlagener Bestuhlung und leichtgeschürzten Bedienungen und Prostitution assoziiert und deswegen abgelehnt. Ein typisch taiwanischer Standpunkt. Hier in Taiwan haben viele Lokale keinen Alkohol, weil man befürchtet, die männlichen Gästen könnten mit dem Zeug schnell die Kontrolle verlieren, das sie ja auf Ex gerne in die Kehle schütten.

So wurde das Lokal also zu gemacht. Ein einfacherer Nachfolger ist schon in der Diskussion, hier taucht eine lokale manilische Größe namens "Sung"*** auf (seineszeichens Taiwaner), der angibt, dort in Manila reich geworden zu sein. Ich habe den netten Herrn - der u.a. meine 90-Dollar-Uhr als zu teuer für Manila kritisierte - schon kennengelernt und finde ihn ja auch nett. Aber was das neue Geschäft angeht, ziehe ich meine Kummer gewohnte Stirn wieder in Sorgenfalten, während die lokale Verwandtschaft fröhlich kichernd kommende Gewinne schon verteilt, bevor sie überhaupt in Sichtweite sind.

Das Scheitern von Taiwanern am Rotwein wurde die Tage auch in den taiwanischen Medien kolportiert. Wie mir meine Frau erzählte, hatte ein original italienischer Gastwirt in Taiwan seine Gäste dabei erwischt, wie sie sich guten Rotwein auf Ex in die Kehle schütteten, wie man das in Taiwan nun mal immer macht. Desto besser der Wein, desto schneller kippt man ihn runter in der chinesischen Kultur taiwanischer Prägung. Es entstand ein Streit zwischen Gästen und Wirt, ob man denn als zahlender Gast das Recht habe, den guten Wein zum Runtergurgeln zu verwenden oder nicht. "Wir Taiwaner haben das Recht drauf, wenn wir ihn bezahlen!" bemerkte meine Frau und ich schließe mich als taiwanischer Steuerzahler hier voll und ganz an. Auch auf den oben offenen Kackpapiereimer haben sie ein Recht und bitte stehen Sie jetzt mit mir auf und singen die Nationalhymne. Wie geht die eigentlich? Gibt es überhaupt eine? Und welche wäre es, die von "Taiwan" oder die von China? Fragen über Fragen. Darauf einen Dujardin.

*** Name von der Redaktion geändert. Sind aber eh alles nur die englischen Kampfnamen der Leute

Dienstag, April 18, 2017

Autofahren in Taipei (Update 3)

Eine fiktive Autofahrt. Das was dabei passieren kann, ist hier reichlich erzählt. Auf einer realen Fahrt werden je nach Länge oder Dauer natürlich nur 1 bis 5 solcher besonderen Vorfälle normal sein. Und ein Taiwaner würde das meiste davon wahrscheinlich nicht einmal für erwähnenswert halten.

Taiwaner stehen nicht gerade Schlange, um die Meinung von Ausländern zu ihrem Herumeiern aka "Straßenverkehr" zu hören

Es fängt an mit dem Ausparken. Schon das kann in den engen oft zugeparkten Gassen Taipeis zum Abenteuer werden. Gerade wenn man ein taiwantypisch eher dickes Auto fährt, weil so ein SUV im aggressiven Gedränge und Geschiebe vielleicht Sicherheit versprechen soll. Unseren letzten gemieteten Parkplatz haben wir aufgegeben, weil er oft zugeparkt war oder die Gasse so schmal war, dass der dicke Volvo kaum raus kam, wenn gegenüber noch jemand am Straßenrand stand. Einmal wurde ich auf Englisch beim Hupen-bis-der-Zuparker-kommt gefragt, wieso ich da überhaupt parke. Auf meinem gemieteten Parkplatz. Als Nichtasiate bin ich natürlich gleich ein parktechnischer Fremdkörper, kann kein Eigentum am Parkplatz auf dem Boden der Republik China aka Taiwan haben. Ich erklärte damals dem Frager genervt zu nächtlicher Stunde, dass das ganze Land Taiwan mir gehören würde: "This is my country!" Woraufhin er schnell verschwand. Man will eben nachts keine Soziokulturellen Diskussionen führen beim Ausparken. Einmal, beim Einparken auf den Familienparkplatz bei Schwiegermutter etwa 100 m entfernt. wollte mich ein von mir weggehupter Autofahrer mit seinem Auto hinterher überfahren, als ich aus dem Auto gestiegen war. Ich hatte vielleicht etwas zu viel gehupt und war auch nicht gerade freundlich. Der junge Mann eierte solange mit seinem Auto vor und zurück und versuchte mich zu erwischen, bis ich das Handy zückte. Auch meine Frau stand einmal vor einem uns dort zuparkenden alten BMW, dessen Fahrer mit aufjaulendem Motor so tat, als wolle er sie überfahren. Taiwaner regen sich im Verkehr immer leicht auf. Heute bin ich immer besonders freundlich zu den Leutchen und bedanke mich drei- und viermal. Wir sind ja nicht beim Straßenkampf in Aleppo.




Heute fahre ich mit dem Kleinwagen der Marke Nissan aus der Tiefgarage schräg gegenüber aus dem Autolift. Dann geht es bis zur Hauptstraße etwa hundert Meter durch schmale Wohnstraßen, die natürlich keinen Bürgersteig haben. Hier könnten mir alte Leute plötzlich vor den Wagen laufen, die irgendwo zwischen zwei geparkten Wagen hervor kommen und ohne zu gucken die Fahrbahn betreten und dann oft im Slalom dort herum laufen. Kinder tun das eher selten, Senioren bei uns im Viertel recht oft. Oder ein Moped prischt plötzlich aus einer der kleinen Seitengassen, die natürlich immer zugeparkte Kurven haben und schert ohne zu gucken vor meinen Kühler ein. Immer bremsbereit sein. Taiwaner fahren sehr viel rasanter durch diese engen Gassen als ich es tue. Aber die würden auch nicht zum landesweiten TV-Spektakel, wenn sie einen Unfall haben. Wie es Ausländern schnell passieren kann in Taiwan. Und die sich im Todesfall plötzlich Forderungen in Hunderttausenden US-Dollar gegenüber sehen würden. Unter sich verhandeln die Familien in Taiwan in der Landeswährung Taiwandollar (1:30 etwa), aber bei Ausländern schalten sie auf höhere Summen und damit US-Dollar, weil sonst die Nullen einfach zu viele werden. Der Fall "Zain Dean" kann hier als Beispiel dienen. Dean sah anfangs noch recht unschuldig aus nach einem tödlichen Unfall, wurde aber sofort landesweit gravierend vor-verurteilt, so dass kein faires Verfahren mehr möglich war.



Bin ich nun glorreich auf der Hauptstraße, dann muss ich damit rechnen, dass stets Motorrollerfahrer schnell und aggressiv um mich herum fahren, mir dabei fast den Kühler abrasieren. Insbesondere vorne an der Ampelkreuzung, wenn diese Grün zeigt. Dann kommen die Motorroller von rechts aus einer ampellosen (!) Einmündung geschossen, mir direkt vor den Kühler um nach links oder geradeaus über die grüne Ampel zu schmirgeln. Und Vorfahrtsregeln gibt es ja auch nicht in Taiwan. Außer einem irgendwie "große Straße vor kleiner", das in Praxi zu "mutig vor feige" geworden ist.



Brav fahre ich immer über die Fahrspur mit dem Geradeauspfeil, wenn ich greadeaus fahre. Neben mir wird aber die Linksabbiegespur auch als Geradeausspur benutzt. Richtungspfeile haben nur Vorschlagscharakter in Taiwan. Gerade Piloten dicker SUVs schneiden einem gnadenlos vor den Wagen, um trotzdem geradeaus über die Kreuzung zu fahren. Einmal auf einem Expressway angekommen - also einer Schnellstraße - fließt der Verkehr deutlich ruhiger. Weil die Motorroller jetzt fehlen, die hier nicht mehr fahren dürfen. Es gibt allerdings ein paar Leichtmotorräder mit gelbem und ein paar schwere Maschinen mit rotem Kennzeichen von denen manche einen Motorroller-artigen Fahrstil mit auf-der-weißen-Linie-in-der-Mitte-fahren und auf-dem-Standstreifen-überholen in den Verkehr bringen. Aber das sind nur wenige. Grundsätzlich hängt man dem Vordermann dicht auf der Stoßstange. Denn hält man ganzen oder nur halben Sicherheitsabstand, drängt sich sofort jemand -oft ohne Blinker und sehr plötzlich - in den Abstand hinein, weil er eine Lücke erspäht hat und denkt, auf der anderen Spur etwas schneller vorwärts zu kommen. Nach der Regel "passt es bis zu den Spiegeln, passt das ganze Auto" versuchen die Autofahrer hier, erst einmal ihre Motorhaube rüber in eine Lücke zu schieben und so den nachfolgenden Wagen dort zum Abbremsen zu zwingen. Das führt auch manchmal zu Unfällen so dass man schnell lernt, dass Abstand halten oft zu brenzligeren Situationen führt, als wenn man einfach dicht drauf hängt auf dem Vordermann. Trotzdem versuchen sich manche reinzudrängen und fangen dann etwa an, sich immer weiter parallel zu einem auf die eigene Spur zu schieben, bis man fast Blech-an-Blech fährt und sich manchmal sogar die Außenspiegel berühren. Alle haben immer Kamerasysteme in den Autos - ich auch - die ständig aufzeichnen und so gibt es bei Youtube und anderswo herrliche Aufnahmen von schiefgegangenen Drängelmanövern, bei denen sich die Leute zum Schluss die Autos verbiegen.



Auf dem Land - nicht in Taipei muss man nach schrottreifen Autos Ausschau halten. So fahren etwa manchmal Fahrzeuge mit verzogenem Chassis, die dann wild von rechts nach links zucken oder es gibt - auch in Taipei - manchmal durchaus gepflegt aussehende ältere Autos, die so ausgeschlagene Stoßdämpfer haben, dass sie bei minimalen Bodenwellen wie Wüstenschiffe schaukeln und manchmal auch die Spur verlassen. Aber meist fahren in Taipei moderne Mittelklassewagen und SUVs, alle frisch gewaschen. Bei älteren Autos ist man vorsichtig. Autos in Taiwan werden oft im Alter nicht mehr oder nicht mehr richtig gewartet und Werkstätten tauschen nur selten die Glühbirnen aus. Deswegen haben ältere Autos - und LKWs und Lieferwagen sowieso - oft keine Bremsleuchten. In der Dämmerung fahren die meisten Autos ohne Licht. Der Volksmund weiß in Taiwan zu berichten, dass Licht am Auto furchtbar viel Benzin verbraucht. Auch Nachts fahren manche ohne Licht und Taxifahrer schalten manchmal an der roten Ampel komplett das Licht aus und stehen dann wie getarnt im Dunkeln an der Ampel. Spart angeblich Benzin!



Vorsicht sowieso bei blauen kleinen Lieferwagen. Lieferwagen ohne Firmenbeschriftung werden fast immer in Blau ausgeliefert und besonders wild gefahren. "Blue truck of death" ist die Bezeichnung in der Ausländergemeinde und kein bisschen übertrieben. Die Fahrer dieser Fahrzeuge verlangen immer und überall Vorrang und man lässt sie besser gewähren, sonst kracht es leicht. Auch Spurwechsel werden - nicht nur von ihnen - in Taiwan oft ohne-zu-gucken erledigt. Und um tote Winkel kümmern sich eh viele nicht. Aber wohl nicht nur in Taiwan. Große LKWs sieht man selten. Weil sie einem so dicht auf der Stoßstange hängen, dass man nur etwas Schwarzes vom Kühlergrill sieht. Klar, dass auch diese wie "Gesenkte Sau" gefahren werden, wie man bei mir zu Hause sagt.



Wenn der Verkehr aus japanischen SUVs und Limusinen so ruhig vor sich hin schiebt auf mehreren Spuren und noch ein paar Lücken dazwischen hat, muss man auf Sportfahrer aufpassen. Die fahren meist deutsche Automarken, eventuell aber auch aufgemotzte Mitsubishis oder Mazdas und fahren dann Slalom-Rennen im dichten Verkehr. Wenn alle 80 - 100 fahren bei Tempolimit 70 oder 80 sieht man manchmal kaum die plötzlich heran schießenden Autos, die mit bis zu 160 größere Lücken ausnützen wollen. So ein dicker BMW SUV wird dann schnell zum Amboss des Todes, wenn man nicht aufpasst.

Taxifahrer. Taxis sind ein Thema für sich. Immer Gelborange weil-wir-Taiwaner-alles-den-USA-nachmachen zählen sie auch zu den aggressiv gefahrenen Fahrzeugen. Hat man eine große Lücke rechts im Außenspiegel erspäht und blinkt um langsam rüber zu fahren, dann sollte man das nicht tun, wenn eine Taxe das hintere Fahrzeug auf der Zielspur ist. Die preschen dann oft mit viel Gas heran um entweder ihre Spur zu verteidigen oder einen Unfall zu provozieren. Aber auch andere Verkehrsteilnehmer tun das manchmal. Bei Taxen sollte man auch auf Abstand achten und lieber jemand anders dazwischen fahren lassen. Denn Taxifahrer bremsen gern hart und plötzlich, um einen Auffahrunfall zu provozieren. Sie müssen dann ein paar Tage nicht arbeiten, weil sie dann den Verdienstausfall über eine großzügige Pauschale vom Unfallgegner bezahlt kriegen.



Vorsicht generell beim Einfädeln. Fast immer wenn man dabei kurz dicht an einen anderen Wagen heran fährt, tritt der Fahrer auf die Bremse. Man ärgert in Taiwan gerne andere Verkehrsteilnehmer und Fahrer alter Autos können so auch Geld verdienen. Manche Autofahrer bremsen immerfort unmotiviert. Was auch immer dahinter steckt.

Meist fahre ich nur auf bekannten Strecken. Denn die Verkehrsführung in Taiwan ist manchmal einfach abenteuerlich. Hier ein paar Beispiele aus Taipei (nur wenn "Land" erwähnt ist, ist es woanders):

- Zwei- oder Vierspurige Schnellstraße. Manchmal kommt eine Spur dazu und manchmal geht sie plötzlich wieder weg. Sowohl rechts als auch links. Ausfahrten sind also auf beiden Seiten! Das ergibt immer ein schreckliches Geschiebe und plötzliche Ein- und Ausscheermanöver.

- Oder viel lustiger: Eine Kreuzung wie ein Y, bei dem beide Fahrbahnen oben gleichzeitig Grün haben. Da habe ich schon viele Zusammenstöße selbst gesehen.

- Sieht aus wie eine offene Garage in einer schmalen Altstadtgasse, ist aber die Ausfahrt einer Schnellstraße! Man glaubt sich allein auf einsamer dunkler Straße und plötzlich schießt einem eine Schlange von Fahrzeugen aus der "Garage" vor den Wagen. Ich weiß bis heute nicht, wer da Vorfahrt hatte.



- Kreuzungen einbetoniert mit die Sicht nehmenden Wänden unter Brücken, wo sich Mini-Einfädelspuren plötzlich im Gegenverkehr verlieren und Autos aus sechs Richtungen kommen.

- Versteckte Mini-Einmündungen auf großen Kreuzungen, oft ohne Ampel, während nur die großen Einmündungen Ampeln haben.

- Eine klar aussehende einfache Kreuzung mit Ampel, bei der aber die große Fahrbahn zu meiner linken keine Ampel hat sondern eine (kaputte, hochgeklappte) Schranke und die Autos dort einfach mit Karacho in die Kreuzung einfahren.

- Gleich dahinter fehlt "mir" eine Ampel, wenn ich durch eine Unterführung fahre. Man soll sich offenbar an der Ampel an der nächsten Kreuzung orientieren und hat kaum Sicht auf die ampelgeregelte Fahrspur von links.

- Kreuzungen mit richtungsvertauschten Fahrspuren, bei denen man das Fahren in England üben kann.

- Kreuzungen mit versteckten Ampeln, etwa zwischen roter und grüner greller Leuchtreklame untergehend (Stadt) oder auf der anderen Straßenseite bei einer Allee mit Bäumen auf dem Fahrbahnteiler(!) ganz oben links (Land). Würde man nie denken, dass die Ampel da den Geisterfahrer macht. Also auf der falschen Fahrbahnseite links vom die Sicht nehmenden Grünstreifen befestigt ist.

Was das mit Straßenverkehr zu tun hat? Na bestimmt...

- Ampeln, die von Technikhäuschen verdeckt sind wenn man den Berg hochfährt (in der Kurve natürlich).

Und und und. Und natürlich überall die völlig regelfrei fahrenden Motorrollerfahrer, die von überall und nirgends kommen ohne auf den Verkehr zu achten. Sie fahren meist ohne Führerschein wie ein Fußgänger sich in der Menschenmenge durchschiebt. Und nicht wie man ein richtiges Fahrzeug steuert.

Ampeln sind auch schon mal wochenlang kaputt. Nachts auf Schnellstraßen wird die linke Fahrspur ohne Lichtwarnung einfach mit mausgrauen Betonstellwänden zu gemacht, die man erst im letzten Moment sieht (Land).

Ach ich habe keinen Bock mehr weiter zu schreiben. Fahren Sie doch selber in Taiwan. Oder auch nicht. 

... fahren die nach der Computermesse...

Erwähnenswert noch: Man sieht schon mal Verletzte blutend auf der Fahrbahn neben ihren ungesicherten Unfall-Motorrollern liegen, sich vielleicht noch mit den Händen mühsam über den Asphalt zerren, während Leute kichernd am Rand stehen und Fotos und Filme mit den Handys drehen. Besser auch weiterfahren und nicht helfen, sonst wird man leicht von einer Unfallpartei als Unfallverursacher bezeichnet und verklagt. Hier ist die Regel: Wer sich einmischt hat ein eigenes Interesse und daher müssen die anderen Parteien sich (durch juristischen Angriff) schützen.

Komisch, richtige Autovermietungen gibt es kaum in Taiwan (gacker)...

...ganz wild mit dem Moped nach Hause. Hier üben sie...


UPDATE: Das blödsinnigste Vorkommnis, das ich 2006 mal im Straßenverkehr hatte, soll hier auch nicht unerwähnt bleiben. Ich hatte den Artikel einst wieder gelöscht im Blog, um Taiwan nicht zu negativ dastehen zu lassen. Damals hatte meine Frau den Nissan X-Trail fahrend, einen Spurwechsel gemacht und parallel mit ihr wollte ein weißer Honda Civic. Eine drei- oder vierspurige Schnellstraße, auf der sich der Verkehr fast schon staute. Meine Frau setzte ich durch, der Honda musste kurz warten. Er überholte uns dann und bremste uns aus, zwang unseren Wagen zum Anhalten. Wir stiegen alle aus und der Fahrer des Honda, ein Mann in den 30ern mit deutlich erkennbarer langer Narbe quer über die Stirn, kam auf uns zu wie ein aus dem Käfig entsprungenes wildes Tier. Schrie und ließ seine Hände in die Luft fliegen, wie ich es aus Mädchenkeilereien in der Grundschule in Erinnerung hatte. Er bewegte sich ständig auf meine Frau zu und kurz bevor er sie mit seinen fliegenden Händen erreicht hätte, ging ich dazwischen und schrie den Kerl an, er solle seinen Arsch wieder in den verdammten Wagen bewegen. Die ganze Zeit über raste der Verkehr linksseitig knapp an uns vorbei - auch LKWs darunter. Nun hatte er seinen Honda etwa zu einem Drittel auf der rechten Fahrbahn der Schnellstraße geparkt. Weil er uns eben das Wegfahren unmöglich machen wollte. Als er dann recht schnell nach meinem Eingreifen in den Honda verschwinden wollte, hatte er nur Augen für uns und nicht für den Verkehr. Der rechte Spiegel eines schnell vorbei fahrenden LKWs hätte ihn fast an der Stirn erwischt, als er in seinen Honda steigen wollte. Genau da, wo die alte Narbe war. Er blieb schockgefrohren für einen Augenblick stehen. Hatte wohl gemerkt, wie knapp das war. Ich fürchtete schon er wollte zur zweiten Runde starten, da schrie ich ihn wieder an: "Get into your fucking car before you get hit by another truck.... or by me!" Er verschwand hastig und brauste davon und ward nie wieder gesehen.
Taiwan kann manchmal Mel-Brooks-artig blödsinnig sein. Hatte der kleine wilde Mann seine Narbe auf die selbe Art bekommen? Heute 11 Jahre später sind die neuen Dreißigjährigen im Schnitt 15 cm Größer und erreichen oder übertrumpfen meine Bauhöhe. Sind aber im Verkehr immer noch genauso wild.

...erst das Sitzen auf den Moped und dann die Fahrtrichtungsanzeige.

UPDATE2: Und der Motorrollerstau, bei dem ein behelmter Mann dabei war einen anderen behelmten reglosen Motorollerfahrer immer wieder mit dem Kopf auf den Bordstein zu schlagen, während ich direkt vorbei ging um mir einen Burger statt dem glitischigen Seafood beim Firmenfestessen zu kaufen.


Am Ende bleibt man ratlos zurück.


UPDATE3: Vergessen habe ich die Ampeln. An großen Kreuzungen hat man Ampeln mit Pfeilen für die Richtungen. Das gibt es auch in Deutschland, aber in Taiwan gibt es eine Besonderheit. Wenn man eine Pfeilampel hat (also z.B. gerade Grün für Geradeaus und Rechts) dann sind nicht davon abgedeckte Fahrtrichtungen (also i.d.F. Links) als Rot anzusehen! In Deutschland etwa hätte man explizit einen Rotpfeil, aber in Taiwan muss man sich den roten Pfeil selber denken.

Nochmal: Sie fahren an eine Kreuzung heran und es ist grundsätzlich erlaubt, nach Links, Geradeaus und Rechts zu fahren (z.B. über Fahrspuren markiert). Eine Ampel ist an der Kreuzung zu sehen mit einem grünen Doppelpfeil, der sowohl geradeaus und nach Rechts zeigt. Die Preisfrage lautet: Dürfen Sie jetzt nach Links abbiegen? Schließlich ist kein roter Pfeil zu sehen.

Die Antwort lautet: Nein, dürfen Sie nicht. An Richtungsampeln ist nur das Fahren in angezeigten grünen Richtungen erlaubt, die fehlenden Richtungen sind implizit Rot ohne dass dies gezeigt wird. Sie müssen tatsächlich solange warten, bis ein grüner Pfeil in die fehlende Richtung (hier Links) zu sehen ist.
Natürlich wird die Regel sehr oft gebrochen und man hat schon mal einen hupenden Hintermann oder Autos fahren einfach rechts oder links an einem vorbei und biegen trotzdem ab. Das kann aber gefährlich sein in Taipei wegen vieler dicht bepflanzter Mittelstreifen oder gar Brückenpfeilern, die die Sicht nehmen.

Donnerstag, April 13, 2017

Zurück nach Manila - nur besuchsweise

Abschluss einer unangenehmen Episode - unser Techtelmechtel mit den Philippinen

Alles nahm seinen Durchlauf, als sich die Schwester Nr. 2 meiner Frau (sie selbst ist Nr. 3 in der Familie) in einen Barkeeper in Taipei verliebte. Irgendein Termin mit einem Kunden im Nobelhotel Mariott muss es gewesen sein. Philippinos arbeiten viel im Ausland in der Tourismusindustrie, weil sie recht gut oder gar fast muttersprachlich Englisch sprechen. Gegen Prostest des Vaters der Schwestern wurde die Ehe mit dem Philippino geschlossen und bald lebte das Paar mit samt ihrem Sohn in Taipei.
Später kam noch ein anderer wunderlicher Ausländer zu der Familie dazu - meine Wenigkeit. Aber da lag der Vater der Familie in Taipei schon lange im fast komatösen Zustand im Bett und was er zu mir gesagt hätte, wird man nur spekulieren können. Vermutlich nichts freundliches, wenn ich an das Durch-den-Ausländer-Starren der Schwester Nr.1 und gelegentlich meiner Schwiegermutter denke.

Business in Manila. Ein Traum.

Eine Fehde der Ersten Tochter/Schwester Nr. 1 gegen meine Frau - es ging um Parkplatzrechte und unseren dicken Volvo, der damals wohl den Status der BMW-, Porsche- und Audi-Karossen von ihrem (sehr netten) Gatten zu erreichen drohte - führte zum Schulterschluss zwischen meiner Frau und der besagten Schwester Nr.2. Der mit dem Philippino-Gatten. Leider gipfelte das alles in dem Wunsch meiner Frau, mit der mittlerweile wieder in den Philippinen/Manila lebenden Familie so viele geschäftliche und private Kooperationen zu betreiben, dass ich es als "totale soziale und finanzielle Fusion" bezeichnet habe. Der unrühmliche Gipfel war das Anmieten eines Reihenhauses und der Umzug von meiner Frau und unserem Sohn nach Manila. Schräg gegenüber wohnte natürlich ihre Schwester mit ihrem Mann (deren Sohn studiert mittlerweile in Kanada). Und eben mit meiner Wohnsitzverlagerung zurück nach Deutschland.

Ausschau halten nach dem Sponsor. Auch wenn er hier nicht "Gringo stupido" heißt.


Status ist heute, dass wir wieder in Taipei leben, nachdem meine Frau nach 3 Monate ihr Manilaengagement abgebrochen hat. Wir haben nun in Manila zusammen mit der Manilafamilie meiner Frau einen Druckwaren-Kiosk, der u.a. Schilder und Aufkleber herstellt. Der ist dem Geschäft des dortigen Schwester-Nr.-2-Gatten angeschlossen und erwirtschaftet leider genau wie von mir vorab geschätzt etwa so viel wie ein gewöhnlicher (Bier-/Eis-) Kiosk in Deutschland. Und leider nicht das Vermögen, das von den taiwanischen/philippinischen Familienmitgliedern erwartet worden war. Wie sehr unsere Schätzungen auseinander gingen verblüfft mich bis heute. Nur 500 Euro monatlichen Reingewinn hielt ich für möglich, während "die anderen" von bis zu 20.000 Euro pro Monat sprachen. Ich hasse es immer Recht zu haben.

Friedhof in Manila. Reich frequentiert dank Politik und sonstiger Gewalt


Ein zwischenzeitlich eröffnetes Restaurant in Manila - wieder als Coop der Schwestern - hatte wieder unter unseren unterschiedlichen Einschätzungen zu leiden. Die Taiwaner und Philippinos in der Familie prognostizierten bis zu 5.000 oder 10.000 Euro monatlich oder etwas in der Art. Meine Prognose war "bis zu 200 Euro". Später korrigierte ich mich nach unten, nachdem meine Vorschläge zur Schaffung eines Alleinstellungsmerkmals des Unternehmens keine Chance auf Realisierung hatten, da die neue Taiwan-Philippino-Coop allein wusste, wie man die Geschäfte führt. Auch die Lücken in der Prozentrechnung der Geschäftspartner gaben Anlass zur Sorge. Es lies sich nicht vermitteln, dass beispielsweise ein Gemeinkostenzuschlag von 1,6 auf die Portionskosten keinesfalls ausreichend ist.  Faktor 2,6 käme eher hin. Ich sehe ein das Mathe schwer ist aber so hatte ich leider wieder mal recht und das Restaurant krebst irgendwo an der baldigen Pleite herum.

So ein Gesicht mache ich da auch immer.


Finanziell sehe ich das alles immer noch als Desaster an, obwohl meine Frau auf spätere hohe Renditen hofft. Und leider erfordert das dortige Engagement immer noch erhebliches monatliches Zubuttern. Ich kann nicht ausschließen, dass die ganze "Manilaconnection" doch wieder zu  meiner Rückkehr in deutsche Lande führt, wofür es auch noch andere Gründe gäbe. Gerne würde ich jedenfalls jedwedes Invest in den Philippinen auflösen. Aber nun in 2 Wochen kehren wir noch einmal zurück um dort den Haushalt von Frau und Junior aufzulösen. Auch wenn das Reihenhaus dot noch bis Jahresende gemietet ist. Ich hoffe auf den Anfang vom Ende der Manila-Connection, er wäre dringend geboten. Froh war ich schon, dass Frau und Junior dort nicht mehr leben, schließlich ist die Kriminalität gerade an Ausländern dort so exorbitant, dass man wohl als Faustregel sagen könnte: Jeder freundlich lächelnde Einheimische würde einem am liebsten mit einem rostigen Messer in einer Seitengasse den Wanst aufschlitzen. Das macht eben Armut kombiniert mit einem chaotischen mafiaartigen Staatswesen aus den Menschen. Auch die jüngste Episode von im Lande umher ziehenden Todesschwadronen gegen Drogensüchtige oder solche, die dafür gehalten werden, hat nicht gerade meinen Wunsch gestärkt, dort zu leben.

Unter 8888 herrscht Konjunktur die ganze Nacht


"Manila" und "Philippinen" und die Namen "unserer" Verwandtschaft dort sind gefährliche Reizworte für mich, das gebe ich gerne zu. Die Tage trainiere ich das freundliche Lächeln, wenn ich dort wieder auf die ja zweifellos netten Verwandten treffe.

Grundsätzlich ist es wohl immer das selbe, wenn man als Europäer oder desgleichen in exotische Länder einheiratet. Man gehört nie wirklich dazu und merkt eben, dass die Brieftasche anfängt, sich in Richtung der "Familia" aufzulösen. Taiwan schien da anders zu sein, aber leider kam durch den Schwager meiner Frau das lateinamerikanische Element des dummen Gringo und der der fröhlichen sonnengebräunten Einheimischen in mein Leben. Ein Ende hat das alles noch nicht, aber die Auflösung des Hausstandes dort geht sicher in die richtige Richtung.

Business Highstreet am Friedhof


Zu viel Info für ein Blog, aber es soll ja mal ein Buch aus dem Blog werden. Und vielleicht setze ich es bald auf "Draft", damit es nicht mehr öffentlich einsehbar ist. Lesen Sie, solange es noch frisch ist.

Was wir dann mit unserer "Permanent Residency" in Zukunft anfangen? Teuer genug war die ja auch.

Mir ist klar, der einzig vernünftige Rat wäre ein Abbruch jedweder Beziehungen. Aber mit dem da drin hängenden Junior (5) ist das alles nicht so einfach wie es klingt.

In diesem Sinne. Bis bald zum Bericht aus den .... Philippinen; der Geißel meiner Lebensmitte.

Freitag, April 07, 2017

Frisörin tot

Nachrufe im Taiwanblog werden langsam zur Gewohnheit

Der Sensenmann geht mir in der letzten Zeit mächtig auf die Nerven. Aber es liegt in der Natur des Lebens, dass es endlich ist. Vor langer Zeit hatte das Blog bereits einen Nachruf auf meine Cousine Christine, die eine eifrige Blogleserin war und von uns gegangen ist. Mein Steuerberater schloss sich an. Ein Mensch, dem ich immer erst mal eine große Flasche Hochprozentiges mitbringen musste, bevor er zur Beratung schritt und diese Flasche dann in meinem Beisein während der kompetenten Beratung leerte, ohne dass er davon betrunken wurde. Ich sage immer, dass ich mir um die fiskalischen Aspekte meines Einzugs in die Nachwelt keine Gedanken mache, das hat er sicher alles unter Kontrolle. Und irgendwo wird sich ein Fass vergorenes Manna auftreiben lassen, das er während der Beratung geniest.
Dann verstarb mein Vater, auch wenn er hier im Blog keinen Nachruf erfuhr. Dann eine geschätzte Kollegin vom Vertrieb, deren Nachruf (http://osttellerrand.blogspot.tw/2017/03/kollegin-beerdigt-renn-weg-renn-weg.html) mehr zur einer multikulturellen Schilderung wurde. Aber warum auch nicht.

Als ich unlängst nach Taiwan zurück kehrte hörte ich, dass nun auch unsere Frisörin verstorben sei. Die nette ältere Dame bewohnte ein sehr kleines Reihenhaus ganz bei uns in der Nähe, es ist im unteren Foto zu sehen - eines der kleinen Reihenhäuser rechts mittig im Bild.

Dort unten hatte sie ein kleines Frisörgeschäft, dass in dem winzig kleinen Haus aus kaum mehr als einem Frisörstuhl und ein bisschen zugestellten Platz drum herum bestand. Von außen zu erkennen durch eine klassische amerikanische Frisör-"Rolle" in Weiß, Blau und Rot. Markenzeichen von Frisörgeschäften in den USA. Drinnen ein alter Frisörstuhl, ein Spiegel mit Fotos von ihrer Familie und einem Haufen schwarzer Haare unter dem Bord, die mich bei meinem ersten Besuch einen Hund vermuten ließen.


Nur ein paar Meter rechts von diesem Bild hat sie gewohnt und gearbeitet. Am Spiegel hatte sie auch Fotos von ihrer Tochter, die mit einem Iren verheiratet war und in Irland lebte, wenn ich mich recht erinnere. Für 150 NT hat sie die Haare geschnitten. Mehr schlecht als recht nach dem Prinzip kurz ist gut und ab ist ab und es war mir oft genug. Ich bin auch wegen unserer sicher sprachbarrierebehafteten Kommunikationsversuche gerne dort hin gegangen und war dort lieber als anderswo. Nicht so sehr wegen ihrer Scherenkunst, das gebe ich gerne zu. Aber ab ist ab und kurz ist gut, was gab es bei dem Preis zu meckern.
Doch dann machte in der Nähe einer dieser 100 NT-Frisöre auf, wo man einen 100 NT-Schein in einen Automaten zwängt, eine Pappkarte erhält, die man dem Frisör gibt und dann wird man auch geschoren. Und es sieht ein bisschen besser aus glaube ich. Sagte meine Frau. So bin ich dann auch immer seltener zu 150er-Haarschnitt und eher zum 100er, ich gebe es zu. Drei Euro für einen Haarschnitt, es ist bizarr.

Nun ist der Frisörladen - in dem früher fast immer Licht war und in dem so oft ganze Familien saßen - dauerhaft geschlossen. Selbstmord, sagt meine Frau. Traurig gucke ich auf die nun immer dunkle Fassade und schäme mich ein bisschen. Für's Wegbleiben. Unsere Gesprächsversuche werden mir fehlen.