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Montag, Juli 20, 2015

Nahrungsmittel-Konzernboss kritisiert Kontrollen

Taiwan ist von einer Reihe von Dauer-Lebensmittelskandalen betroffen. Dem Boss des taiwanischen I-Mei - Konzerns wird es zu viel und er wünscht sich ruhigere Zeiten mit weniger Berichten der taiwanischen Lebensmittelkontrollbehörde FDA zurück (http://www.taipeitimes.com/News/taiwan/archives/2015/07/20/2003623470).

Die Sicherheit taiwanischer Lebensmittel beschreibe ich gerne so: Die gute Nachricht ist, dass es eine Lebensmittelkontrollbehörde in Taiwan gibt, die Nahrungsmittel testet. Die schlechte Nachricht ist, dass sie auch permanent etwas finden.

Konkret nahm der I-Mei - Chef namens Kao (guter Name für einen Lebensmittelkonzernboss ;-) das Auffinden von sage und schreibe sieben Jahre alten Chinesisch-Neujahr-Lebensmitteln in seiner Fabrik seitens der FDA zum Anlass, die störenden Kontrollen der FDA zu bemängeln. Genau gesagt hat er kritisiert, dass offenbar diesbezügliche Informationen an die VR-China geflossen sein sollen, die dann I-Mei-Lieferungen nicht so einfach durch den Zoll gelassen hat. Außerdem dürfte Herrn Kao gewurmt haben, dass jüngst von einer Kundin Würmer in Schoko-Rosinen gefunden worden sind und die FDA nun auch in dieser Sache ermittelt. Ob er meint, die Dame hätte auch schweigend genießen können? Wir wissen es nicht.

Herr Kao kritisiert auch, dass durch die Kontrollen der FDA kleine Geschäfte nicht über Lebensmittelhygiene belehrt würden. Das ist sicher ein Punkt, aber so ähnlich als würde man kritisieren, dass durch Kontrollen von LKW-Motoren die Motoren von Mopeds nicht verbessert würden. Wie dem auch sei, Herr Kao ruft den taiwanischen Premier dazu auf, durch entsprechende Infos Taiwan als "Food Kingdom", also "Königreich des Essens" oder "Essensparadies" wiederherzustellen.

Das Problem ist nur, dass Taiwan wohl nie ein Essensparadies war, jedenfalls nicht mehr seit Beginn der Industrialisierung. Eher gab es früher wohl eine Friedhofsruhe, bei der (wie ein Blogkommentator darauf hinwies, in der Ära vor dem jetzigen Präsidenten Ma) einfach nicht hinreichend getestet wurde und man daher schweigend genossen und Schadstoffe aufgenommen hat. Mir ist noch gut im Gedächtnis, wie ich seit meinem Ankommen in Taiwan 2004 bis zum Jahre 2011 immer merkwürdige allergische Symptome hatte, die es zu einem Running Gag bei mir machten zu überlegen, was die Taiwaner nun bloß überall ins Essen kippen, dass ich ständig Allergie habe, egal was ich auch esse. Mysteriös aber erhellend war insbesondere, dass die Symptome am nächsten Tag verschwanden, sowie ich Taiwan verlassen hatte.
Die Antwort auf meine stumme Frage hieß übrigens "DEHP". Der Lebensmittelskandal des Jahres 2011 entlarvte eine landesweite und praktisch komplette Verseuchung der Lebensmittel Taiwans mit diesem Flüssigkunststoff, der u.a. Diabetes fördert und leibesfruchtschädigend ist (https://en.wikipedia.org/wiki/2011_Taiwan_food_scandal). Und aus dem Wikipedialink wird schon offenbar, dass das Zeug wohl schon ewig im Essen war. Schließlich kann man dort nachlesen, dass Präsident Ma (KMT) der vorherigen DPP-Regierung vorwirft, sich ihrerseits nicht um die Lebensmittelsicherheit gekümmert zu haben. Und die DPP hat 2000-2008 regiert. Statt "Food Kindom Taiwan" sollte man also lieber vom "ungestörten Pansch-Paradies" in alten Zeiten reden.

Weitere Skandale:
https://en.wikipedia.org/wiki/2013_Taiwan_food_scandal
https://en.wikipedia.org/wiki/2014_Taiwan_food_scandal

Bei dem 2014er Kochöl- und Lebensmittelfett- Skandal, bei dem ein Großkonzern Öl und Fett aus vergammelten Tierkadavern mit DEHP und ursprünglich für die Tierzucht vorgesehenen Medikamenten versetzt hatte und diese Öle und Fette wieder praktisch landesweit überall in den Lebensmitteln zu finden waren, war also auch wieder der Dauerbrenner DEHP dabei. Mein Magen hing mir da monatelang in den Kniekehlen mit Magenschmerzen. Mag letzteres psychosomatisch gewesen sein, so hatte ich mich freilich schon seit Jahren über eine eigenartige Dauererkältung gewundert, bei der mir ständig die Nase (nach Innen) lief, ohne dass ich sonstige Erkältungssymptome gehabt hatte. Letzteres schlug mir dann auch immer wieder auf den Magen und wurde vom Doc als Magengrippe diagnostiziert.
Losgeworden bin ich diese Symptome schlagartig durch Verzicht auf das (Gratis-) Essen in der Firmenkantine.

Heute geht es mir so: Esse ich der Frau zu liebe mal in mir unbekannten Garküchen oder auch in guten Restaurants, dann habe ich schnell wieder die sehr extrem laufende Nase und eine beginnende "Magengrippe". Dagegen hilft dann das sofortige Wechseln auf Ernährung von mir bekannten Garküchen oder auf das abgepackte Essen von Seven-Eleven (24h-Miniläden-Kette). Und übrigens die Einnahme von Obst und Saurem.

Taiwaner sind sehr geschäftstüchtig. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Horroröl aus dem 2014er-Lebesmittelskandal immer auf den Entsorgungsstationen gelandet ist, wo es hin sollte. Wenn ich es mir recht überlege, habe ich nie irgendwo gelesen, wie das viele Öl und Fett denn hätte entsorgt werden sollen. Eher denke ich, so ein LKW voller fabrikneuem verseuchten Kochöl wird eine Wellblechfabrikhalle in irgendeinem Hinterhof angesteuert haben und das Öl und Fett wird unter anderem Namen noch heute im Umlauf sein. Oder mein auf Chemie im Essen recht empfindlicher ausländischer Luxuskörper hat schon wieder den Lebensmittelskandal 2015 oder 2016 oder ... vorweg genommen, den es noch gar nicht gibt. Denn sicher wird die FDA auch in Zukunft viel finden, denn taiwanische Lebensmittelbosse wie Herr Kao machen sich eher Gedanken um die erwünsche mediale Ruhe, anstatt sich für die von ihnen produzierten Lebensmittel verantwortlich zu fühlen und durch Strukturveränderungen in ihren Unternehmen bessere Qualität sicherzustellen. Und die Kunden in Taiwan interessiert das Thema ja nicht wirklich. Die haben neulich in einer Facebookcampagne taiwanisches Essen zum besten der Welt gewählt (http://taiwanexplorer.blogspot.tw/2015/06/embarrassing-taiwanese-vote-for-themselves-to-top-CNNs-poll.html). Na dann bleibt mir nur fröhliches Weiter-Kao-en zu wünschen.

Kommentare:

Xinxi hat gesagt…

Wäre mal interessant, wenn jemand, z.B. ausländische Reporter, die beiden Präsidentschaftskandidatinnen fragen, was denn (in Zeiten knapper Staatskasse) ihre Planung in Sachen Lebensmittelsicherheit sei. Manchmal habe ich den Eindruck, Politiker in Taiwan zahlen der VR gutes Geld, um die chinesische Bedrohung zu erhalten. Man stelle sich mal vor, das Parlament (Legislativ-Yuan/Staatsrat) müsste sich nur noch mit ideologiefreien Sachfragen befassen!

"Ludigel" hat gesagt…

Haha, das ist gut formuliert.